Gemeinsames Lernen

An der Grundschule Ohmstraße sind alle Kinder herzlich willkommen! Wir verstehen uns als ein Lern- und Lebensort, an dem Vielfalt wertgeschätzt und als Bereicherung angesehen wird. Behinderte und nichtbehinderte Schülerinnen und Schüler lernen an der Ohmschule gemeinsam. 

Unsere Kinder profitieren von unserem langjährigen Erfahrungsschatz in inklusiver Förderung und unseren steten Bemühungen, jedes Kind indivduell sowie nachhaltig in seiner Entwicklung zu unterstützen. An dieser Stelle möchten wir Ihnen einen kurzen Überblick über unser Verständnis und Konzept vom Gemeinsamen Lernen geben.

Rechtliche Grundlagen

Gemeinsames Lernen wird zum gesetzlichen Regelfall in NRW.

Zunächst möchten wir Ihnen kurz die rechtlichen Grundlagen darstellen: Die gemeinsame Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf ist seit dem Jahr 1995 an allen Grundschulen in Nordrhein-Westfalen möglich. Im Jahr 2013 hat der nordrhein-westfälische Landtag das Erste Gesetz zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) verabschiedet. Gemeinsames Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung wird zum gesetzlichen Regelfall. Eltern eines Kindes mit festgestelltem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung müssen nicht länger die Aufnahme an einer allgemeinen Schule eigens beantragen. Jedoch haben Eltern weiterhin das Recht, eine Förderschule zu wählen, wenn ein entsprechendes Angebot vorhanden ist. (Quelle: www.schulministerium.nrw.de)

Durch die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention wird dem im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verbrieften Recht behinderter Menschen auf ein gleichberechtigtes Leben in allen gesellschaftlichen Bereichen Rechnung getragen. (Art. 3, Abs. 3, Satz 2, GG: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“)

Was verstehen wir unter gemeinsamem Lernen?

Jedes Kind arbeitet im eigenen Tempo und an eigenen Aufgaben.

Beim Gemeinsamen Lernen werden behinderte und nicht behinderte Schülerinnen und Schüler zusammen gefördert. Das Team der Grundschule Ohmstraße versteht unter Gemeinsamem Lernen einen Unterricht, der kindgerecht ist, möglichst viele Sinne anspricht, lebendig ist, die Individualität der Schülerinnen und Schüler anerkennt und berücksichtigt sowie Basiskompetenzen und Schlüsselqualifikationen behutsam aufbaut. Unser Gemeinsamer Unterricht ist gekennzeichnet dadurch, dass Schülerinnen und Schüler in ihrem eigenen Lerntempo arbeiten, ihre Lerninhalte entsprechend ihren Möglichkeiten mitbestimmen und auswählen können.

Das Gemeinsame Lernen an unserer Schule orientiert sich an den Stärken und Fähigkeiten, nicht an den Schwächen und Defiziten der Schülerinnen und Schüler. Dies führt zu einer Individualisierung des Unterrichts und zu einer Hinwendung zu offeneren Unterrichtsformen für alle Kinder.

Es soll eine Atmosphäre geschaffen werden, in der die Freude am Lernen und die Freude an der eigenen Leistungsfähigkeit im Mittelpunkt stehen.

Vom Gemeinsamen Lernen profitieren alle Kinder

Gemeinsames Lernen und Spielen baut Berührungsängste ab.

Ziel des Gemeinsamen Lernens ist nicht nur die sonderpädagogische Förderung des einzelnen Kindes, sondern auch die Vermittlung der lebensbedeutsamen Erfahrung für alle Schülerinnen und Schüler, dass behinderte und nicht behinderte Schülerinnen und Schüler gemeinsam miteinander und voneinander lernen und gemeinsam das Schulleben gestalten können. Durch das gemeinsame Lernen und Spielen ergeben sich vielfältige Berührungspunkte und Kontakte, die helfen, eventuell vorhandene (Berührungs-)Ängste auf beiden Seiten abzubauen.

Innerhalb des Gemeinsamen Lernens sammeln die Schülerinnen und Schüler Erfahrungen, die es ihnen ermöglichen, …

  • ihr Menschenbild zu erweitern;
  • Erkenntnis und Respekt zu erarbeiten, dass alle Menschen in ihren Stärken und Schwächen unterschiedlich sind;
  • zu verstehen, dass Mitschülerinnen und Mitschüler unterschiedlich (inhaltlich und methodisch) lernen und somit Differenzierung keine Benachteiligung, sondern sinnvoll und notwendig ist;
  • bewusst auf andere Mitschülerinnen und Mitschüler zuzugehen und angemessene Hilfen anzubieten.

Hierin zeigt sich, dass die Inklusion behinderter Schülerinnen und Schüler gelingt und dass diese im Hinblick auf die Entwicklung sozialer Kompetenzen für alle Schülerinnen und Schüler gewinnbringend ist.

Grundfertigkeiten als Voraussetzung für Inklusion

Grundlegende Fertigkeiten und Fähigkeiten wie Schneiden und Kleben befähigen zum Gemeinsamen Unterricht.

Wesentliche Voraussetzung für eine Erfolg versprechende Inklusion ist weniger Art und Ausmaß der Behinderung, als die Gruppenfähigkeit der zu integrierenden Schülerinnen und Schüler.

Es ist daher Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer, den Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf die soziale Integration in die jeweilige Klassengemeinschaft zu ermöglichen. Gleichzeitig gilt es, die Lernziele der jeweiligen Bezugsrichtlinien zu berücksichtigen, um Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf die erfolgreiche Mitarbeit in einer weiterführenden Schule zu ermöglichen.

Ein wichtiger Faktor, um die sonderpädagogischen Zielsetzungen zu erreichen, ist der Erwerb grundlegender Fertigkeiten und Fähigkeiten, die eine Teilnahme am Unterricht im Klassenverband ermöglichen. Zu diesen Grundfertigkeiten zählen:

  • ein grundlegendes Arbeitsverhalten (die Fähigkeit, eine Aufgabe für sich bindend anzuerkennen, sich auf die Aufgabe einzulassen, sie zu beenden, Hilfestellungen anzunehmen…);
  • grundlegende sozial-emotionale Fähigkeiten (eigene Bedürfnisse kontrollieren und zurückstellen, Bedürfnisse anderer respektieren…);
  • grundlegende manuelle Fähigkeiten (Schneiden, Kleben, Stifte halten, mit Stiften umgehen…).

Gemeinsames Lernen an der Ohmschule

Egal, welches Unterrichtsfach: Alle unsere Kinder lernen gemeinsam im Klassenverband.

Wie setzen wir unsere Leitgedanken zum gemeinsamen Lernen konkret um? Wir bemühen uns um eine echte inklusive Lernumgebung. Das bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf möglichst immer im Klassenverband unterrichtet werden. Wir ziehen keine Kinder für Kleingruppen aus dem Regelunterricht. Jedes Kind soll sich als ein unverzichtbares Mitglied der Klassengemeinschaft fühlen. Das würde jedoch nicht funktionieren, wenn man Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf für bestimmte Unterrichtsfächer wie Deutsch, Mathe oder Sport regelmäßig rausnähme.

Differenzierung: Je nach Leistungsvermögen suchen die Schülerinnen und Schüler Aufgaben aus.

Die Kinder mit Beeinträchtigungen arbeiten an den gleichen Themen wie die Kinder ohne Beeinträchtigungen. Ihr Arbeitsmaterial ist jedoch an die individuelle Leistungsfähigkeit des Kindes angepasst. Das fällt im Klassenverband nicht weiter auf, da wir uns ohnehin um einen individualisierten Unterricht bemühen. Bei uns ist es normal, dass verschiedene Kinder – egal, ob mit oder ohne Behinderung – an unterschiedlichen Aufgaben arbeiten.

Die Klassenlehrerinnen und -lehrer arbeiten intensiv mit unseren beiden Sonderpädagoginnen zusammen, um den Schülerinnen und Schülern passende Lernangebote zu machen und ihnen Materialien zu geben, damit sie alle Erfolgserlebnisse haben, die die Lernfreude steigern. In mehreren Team-Teaching-Stunden pro Woche unterrichten LehrerInnen und Sonderpädagoginnen zusammen.

Unsere multiprofessionellen Teams haben die individuelle Entwicklung jedes Kindes stets im Blick.

In individuellen Förderplänen werden Lern- und Entwicklungsfortschritte  der Schülerinnen und Schüler festgehalten. Ausgehend davon werden neue Lernziele bestimmt und Maßnahmen ausgewählt, damit die Kinder ihre Lernziele erreichen können. Regelmäßig beraten sich unsere multiprofessionellen Teams und reflektieren die Förderpläne, um sie gegebenfalls zu optimieren.

Eine enge, vertrauensvolle und vom gegenseitigen Respekt getragene Zusammenarbeit mit allen Eltern ist für ein Gelingen des Gemeinsamen Lernens unerlässlich. In regelmäßigen Gesprächen mit Eltern erläutern wir die weitere Förderplanung,
geben Hinweise zur häuslichen Unterstützung und treffen gegebenenfalls gemeinsame Vereinbarungen, die die Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung weiterbringen.

Unsere Kinder werden im Schulalltag bei Bedarf durch Integrationskräfte unterstützt.

Nicht nur mit den Eltern beraten wir uns, sondern auch mit externen Fachkräften (medizinisch, therapeutisch …), um unsere Schülerinnen und Schüler ganzheitlich zu fördern. Falls der Bedarf besteht, werden unsere Kinder von Integrationshelferinnen und Integrationshelfern im Schulalltag unterstützt. Dies umfasst Handlungen wie das Abholen vom Taxi, Unterstützung beim Lernen, Betreuung in den Pausen sowie im Offenen Ganztag und pflegerische Tätigkeiten. Alle Schülerinnen und Schüler an unserer Schule lernen von Anfang an, dass Integrationshelferinnen und Integrationshelfer zu einem normalen Schulalltag gehören.

Auch die Räumlichkeiten unserer Offenen Ganztagsschule sind selbstverständlich barrierefrei.

Unser Alleinstellungsmerkmal – nicht nur unter den Herner Grundschulen – ist sicherlich, dass unser Schulgebäude komplett barrierefrei und ebenerdig ist. Dies kommt insbesondere unseren Schülerinnen und Schülern mit körperlichen Beeinträchtigungen zugute. Im Schul- und OGS-Alltag gibt es nicht eine einzige Stufe, die unsere Kinder überwinden müssten. Im Gegensatz zu Schulen, bei denen gehbeeinträchtigte Kinder komplizierte Aufzüge nutzen, die von Erwachsenen bedient werden müssen, können sich die Schülerinnen und Schüler an der Ohmgrundschule ohne Hilfe frei bewegen und einfach unbeschwert Kind sein.

In unserem neu gebauten und reizarmen Therapieraum können externe Experten unsere Schülerinnen und Schüler fördern.

Selbstverständlich hat unsere Schule auch eine behindertengerechte Toilette mit barrierefreier Dusche und Notrufschaltern. In unserem komplett neu erbauten Therapieraum können unsere Schülerinnen und Schüler von externen Experten gefördert werden (z.B. Ergo-, Physio- und Logotherapie).

Natürlich konnten wir Ihnen hier nur einen kurzen Überblick geben über unser Verständnis vom Gemeinsamen Lernen und wie wir das praktisch umsetzen. Gerne stehen wir Ihnen für Gespräche und Beratung zur Verfügung, damit wir alle Ihre Fragen beantworten und Ihnen einen persönlichen Eindruck von der Grundschule an der Ohmstraße vermitteln können.